Die Auswahl von Schuhen aus Sicht der Orthopädie

Die Auswahl von Schuhen aus Sicht der Orthopädie
Autor: Dr. Bence Balázs Moravcsik | 11.03.2025
In der Sendung von Kossuth Radio haben wir gemeinsam mit dem Facharzt für Orthopädie Dr. Bence Balázs Moravcsik und erfahrenen orthopädischen Schuhmachern erörtert, wie Sie Schuhe auswählen können, die die Fußstruktur stützen, der Entstehung von Fehlstellungen vorbeugen und bereits bestehende Beschwerden lindern können.
Welche Schuhe sollte man im Frühling tragen?
Mit Beginn des Frühlings tauschen immer mehr Menschen ihre geschlossenen Winterschuhe gegen leichtere Schuhe oder sogar Hausschuhe aus. Für die Gesundheit Ihrer Füße ist es jedoch von entscheidender Bedeutung, dass Sie Ihre neuen Schuhe bewusst auswählen – denn nicht jedes modische Schuhwerk erfüllt auch Anforderungen der Orthopädie.
Warum ist es besonders wichtig, auf den Schuhwechsel zu achten?
Im Frühling wechseln wir in der Regel zu leichteren, offeneren Schuhen. Diese Schuhe bieten jedoch oft keinen ausreichenden Halt für die Ferse, den Knöchelbereich oder das Fußgewölbe. Dies kann zu Überlastung, einem Absinken des Fußgewölbes und dem Auftreten verschiedener schmerzhafter Veränderungen führen.
Welche Probleme können häufig auftreten?
- Fersenschmerz, Entstehung von Fersensporn
- Das BSG des Längs- und Quergewölbes
- Hornhaut, Hühneraugen, schmerzhafte Druckstellen
- Zunehmende Beschwerden im Zusammenhang mit einem Knöchel oder einem Hammerzeh
Was ist ein „Bütyök“?
Ein Ballenzeh ist eine nach außen gerichtete Verkrümmung des Großzehengrundgelenks, bei der sich der große Zeh in Richtung der anderen Zehen neigt. Infolge dieser Fehlstellung bildet sich an der Basis des großen Zehs eine knöcherne Auswüchse, die gegen den Schuh drücken und Schmerzen sowie Entzündungen verursachen kann.
Was ist ein Hammerzeh?
Der Hammerzeh ist eine Fehlstellung eines oder mehrerer Zehen, bei der sich die Zehengelenke nach innen beugen, sodass die Zehe die Form eines „Hammers“ annimmt. Diese Deformität geht häufig mit einer BSG des Quergewölbes einher und kann auch zusammen mit einem Ballenzeh auftreten.
Was ist ein Sporn?
Ein Fersensporn ist eine Knochenauswüchse, die sich am unteren Teil des Fersenbeins bildet, typischerweise aufgrund einer Überlastung des Plantarbandes. Ein häufiges Symptom istein starker, stechender Fersenschmerz, vor allem beim Aufstehen am Morgen oder beim Aufstehen nach längerem Sitzen.

Warum ist es wichtig, Schuhe der Orthopädie zu tragen?
Orthopädische Schuhe helfen nicht nur bei der Behandlung bereits bestehender Probleme. Ihr größter Vorteil besteht darin, dass sie einer Störung des statischen Gleichgewichts des Fußes vorbeugen , Fehlbelastungen korrigieren und langfristig die Gelenke, Muskeln und Sehnen schützen – nicht nur im Fuß, sondern im gesamten Bewegungsapparat. Die richtige Schuhwahl ist kein Luxus, sondern eine Investition in die Gesundheit.
Warum ist die Wahl des richtigen Schuhwerks gerade in der Kindheit besonders wichtig?
Die Entwicklung des Fußes wird bereits in der Kindheit bestimmt. Kleinkinder kommen noch mit flachen Füßen zur Welt, und im Laufe des Lauflernens bilden sich – unter dem Einfluss von Bewegung und entsprechenden Reizen – die Fußgewölbe aus. Dieser Prozess dauert etwa bis zum Alter von 6–7 Jahren und stabilisiert sich im Alter von 10–12 Jahren.
Daher ist es besonders wichtig, dass Ihr Kind in dieser Phase Schuhe trägt, die die natürliche Entwicklung nicht behindern, sondern fördern. Wenn Sie feststellen, dass die Knöchel Ihres Kindes nach innen knicken oder der Fußabdruck eine zu große Fläche aufweist (beispielsweise beim Test mit dem nassen Fußabdruck), sollten Sie eine Konsultation mit einem Facharzt für Orthopädie durchführen.
Woran erkennen Sie, dass Sie die falschen Schuhe tragen?
- Der Schuh drückt, schmerzt oder reibt am Fuß
- Die Zehen werden darin zusammengedrückt
- Die Sohle ist zu weich oder im Gegenteil: zu steif
- Beim Gehen fühlt er sich darin unsicher
- An den Zehenansätzen, an der Ferse oder in der Mitte der Fußsohle treten Hornhaut oder Schmerzen auf
Das Tragen ungeeigneter Schuhe kann langfristig auch zu einer Verschiebung der statischen Achse führen. Das bedeutet, dass sich aufgrund einer fehlerhaften Belastung des Fußes die Funktion des Knies, der Hüfte oder sogar der Wirbelsäule verändert. Dies kann weitere Beschwerden – Schmerzen, Entzündungen, Abnutzung – hervorrufen.

Sommerschuhe – Komfort oder Risiko?
In den wärmeren Monaten bevorzugen viele Menschen Pantoffeln, Sandalen oder andere offene Schuhe. Aus Sicht der Orthopädie erweisen sich diese jedoch nicht immer als ideale Wahl.
Worauf sollten Sie bei Sommerschuhen achten?
- Stützung der Ferse: Viele Sommerschuhe – insbesondere herkömmliche Sandalen – bieten keinen Halt für die Ferse. Dies kann insbesondere bei Plattfüßen oder Senkfüßen gefährlich sein.
- Steifigkeit und Wölbung der Sohle: Eine völlig flache Sohle bietet keine ausreichende Stütze. Zu dünne, biegsame Sohlen dämpfen Stöße vom Boden nicht ausreichend.
- Die Fixierung des Fußes: Die Verwendung sogenannter „Zehensandalen“ (Flip-Flops) wird auf längere Sicht nicht empfohlen, da der Fuß ständig Halt suchen muss, um nicht aus dem Schuh zu rutschen, was zu Muskelverspannungen und Schmerzen führen kann.
Worauf sollten Sie bei der Auswahl von Sportschuhen achten?
- Achten Sie auf Ferse und Knöchel: Der hintere Teil des Schuhs sollte fest sitzen, damit der Knöchel nicht nach innen knickt.
- Angemessene Dämpfung: Die Sohle sollte elastisch, aber nicht zu weich sein. Eine zu weiche Sohle dämpft Stöße nicht ausreichend, was zu Beschwerden in den Knien und im Rücken führen kann.
- Strapazierfähiges und atmungsaktives Material: Atmungsaktive Materialien verringern die Schweißbildung und damit auch das Risiko von Pilzbefall und Hautreizungen.
Wann sollten Sie einen Facharzt für Orthopädie aufsuchen?
Warten Sie nicht, bis Schmerzen auftreten! Vorbeugung ist weitaus wirksamer, und ein gut ausgewählter Schuh oder eine Einlegesohle kann die Verschlimmerung der Beschwerden um Jahre hinauszögern – ja, oft lassen sich diese sogar gänzlich vermeiden.
Es empfiehlt sich, einen Fachmann aufzusuchen, wenn:
- Sie haben regelmäßig Schmerzen in den Beinen, den Knien, den Hüften oder im Lendenbereich;
- eine Deformität feststellt – beispielsweise einen Ballenzeh, einen Hammerzeh oder eine Senkfußbildung;
- Sie haben einen Plattfuß oder leiden häufig unter Fersenschmerzen;
- Ihr Kind hat Probleme mit dem Gleichgewicht oder beim Gehen.
Der Facharzt für Orthopädie kann nicht nur zur Linderung der Beschwerden beitragen, sondern auch dabei helfen, eine korrekte Fuß- und Körperhaltung aufrechtzuerhalten – durch die Auswahl geeigneter Schuhe und maßgeschneiderter Lösungen.