Kindliche motorische Entwicklung
Kein Kind gleicht dem anderen, daher ist es kein Grund zur Sorge, wenn Ihr Kind oder Baby nicht exakt zu dem im „Lehrbuch“ angegebenen Zeitpunkt mit dem Rollen, Robben oder Krabbeln beginnt. Es besteht kein Grund zur Panik bei einer Verzögerung von 1–2 Wochen oder sogar 1–2 Monaten, da selbst unter gesunden Kindern sehr signifikante Unterschiede und Variationen bestehen können.
Tímea Szentpétery
Physiotherapeut/in
Motorische Entwicklung
Wichtige Meilensteine der motorischen Entwicklung (zu Informationszwecken)
- 0–2 Lebensmonate: Liegt gerne auf dem Bauch und Rücken, hält die Gliedmaßen in einer gebeugten Position, Hände zu Fäusten geballt, dreht den Kopf in beide Richtungen in Bauch- und Rückenlage, beginnt ab etwa der 6. Lebenswoche in Bauchlage den Kopf zu heben. Überwiegend Reflexbewegungen.
- 3 Lebensmonate: Unterarmstütz, hebt den Kopf in eine vertikale Position, hebt den Kopf beim Hochziehen zum Sitzen, greift nach Gegenständen, die in die Hand gelegt werden, untersucht diese und führt sie zum Mund.
- 4–5 Lebensmonate: Kann sich im Handstütz halten, Hände sind offen, rollt symmetrisch in beide Richtungen vom Rücken auf die Seite, spielt mit den Füßen.
- 6–7 Lebensmonate: Rollt in beide Richtungen vom Rücken auf den Bauch und vom Bauch auf den Rücken.
- 8–9 Lebensmonate: Krabbelt mit abwechselndem Einsatz von Händen und Beinen in einem regelmäßigen Muster, nimmt den Vierfüßlerstand ein – „wippt“ in dieser Position.
- 10–11 Lebensmonate: Krabbelt regelmäßig, setzt sich hin, kniet, steht eventuell mit Festhalten auf.
- 12–18 Lebensmonate: Steht auf, macht Seitwärtsschritte an Möbeln entlang, macht ein oder zwei Schritte selbstständig, läuft frei.
Motorische Entwicklung bei Kindern
Die motorische Entwicklung von Kindern wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst, darunter – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – die Umgebung, der familiäre Hintergrund, körperliche Merkmale und die neurologische Reife. Bei der Bewertung der motorischen Meilensteine ist es wichtig, bei Frühgeborenen das korrigierte Alter zu berücksichtigen.
In den ersten neun Monaten muss das Baby lernen, die Schwerkraft zu überwinden, seinen Körper zu entdecken und sich an die veränderte, neue Umgebung und Ernährung anzupassen. Dies sind zunächst Reflexbewegungen, die später zu zunehmend gezielten, willkürlichen Bewegungen werden.
Es kann vorkommen, dass ein Kind in der Entwicklung zurückbleibt, in diesem Fall ist es sinnvoll, Unterstützung anzubieten. Unser Ziel ist es nicht zu hetzen, sondern die notwendigen Bedingungen für eine ordnungsgemäße motorische Entwicklung zu schaffen und sicherzustellen, dass Bewegungsmuster korrekt und präzise ausgeführt werden.
Korrektur von motorischen Entwicklungsstörungen
Die Entwicklung von Kleinkindern besteht natürlich nicht nur aus der motorischen Entwicklung. In dieser Zeit findet eine bedeutende Entwicklung der Intelligenz und der kognitiven Funktionen, des Nervensystems, der Kommunikation sowie des Sozialverhaltens statt. Die genannten Fähigkeiten entwickeln sich jedoch auch durch und mit Bewegung, weshalb es so wichtig ist, dass die motorische Entwicklung angemessen verläuft.
Bei Säuglingen und Kleinkindern, deren motorische Entwicklung stagniert, ist es wichtig, die Ursache zu identifizieren und diese so schnell wie möglich zu korrigieren. Motorische Entwicklungsprobleme werden am häufigsten durch Funktionsstörungen in der Muskeltonusregulation und den motorischen Zentren des Gehirns verursacht. Jede bewegungstherapeutische Methode kann sich effektiver auf verschiedene Ursachen konzentrieren, aber global können wir fast alle Bereiche gleichzeitig beeinflussen. Ob Massage, spezielle passive Mobilisation, aktive Übungen, manuelle Techniken oder sensorische Therapie – in jedem Fall ist unser Ziel dasselbe: Wiederherstellung, Regulierung, Entwicklung, Heilung, Korrektur und Stimulation, um dadurch einen ordnungsgemäßen Muskeltonus und eine korrekte Funktion zu etablieren, den vollen Bewegungsumfang in den Gelenken zu erreichen und das Nervensystem zu entwickeln.
Anita László
Physiotherapeut/in
Wann und in welchen Fällen wird eine motorische Entwicklungstherapie empfohlen?
- Wenn motorische Phasen nur mühsam, auf ungewöhnliche Weise beginnen oder verzögert auftreten.
- Das Kind beginnt, grobmotorische Bewegungen und motorische Meilensteine in einer falschen Reihenfolge auszuführen.
- Hält sich sehr angespannt, kann sich nur im Schlaf entspannen. Oder das Gegenteil: Die Muskeln des Babys sind schlaff.
- Es gibt eine bevorzugte Seite; das Kind schaut und dreht den Kopf überwiegend nur in eine Richtung.
- Hat Schwierigkeiten, den Kopf in Bauchlage zu halten, kann ihn nicht von einer Seite zur anderen drehen und auf dem Boden ablegen.
- Greift nicht nach Gegenständen oder nur mit einem Arm.
- Rollt mühsam oder gar nicht, oder rollt nur in eine Richtung.
- Zieht im Unterarmstütz die Arme unter den Körper, nimmt oft eine Flugzeugposition ein.
- Hält im Handstütz die Hände fest zu Fäusten geballt.
- Asymmetrisches Krabbeln oder Robben.
- Kann nicht stabil sitzen, fällt häufig um.
- Steht immer nur mit einem Bein auf, belastet eine untere Gliedmaße stärker.
- Stolpert häufig, fällt oft hin.
- Gehen, Laufen und Bewegungen sind tollpatschig und zögerlich.
- Unterstützung der motorischen Entwicklung gesunder Säuglinge und Kleinkinder, die sich in Bezug auf die Grobmotorik langsamer als der Durchschnitt entwickeln.
Beginn der Physiotherapie
Physiotherapie für Säuglinge und Kleinkinder sollte so früh wie möglich begonnen werden, sogar schon ab dem Neugeborenenalter, da wir so bessere Ergebnisse erzielen können. Es lohnt sich, selbst minimale Abweichungen anzugehen, damit sich verschiedene Bewegungsmuster später in bestmöglicher Qualität entwickeln, zusammen mit der Entwicklung des Kindes in anderen Bereichen wie motorische Koordination, räumliche Orientierung, korrekte statische und dynamische Körperhaltung, gleichmäßige Gewichtsverteilung, angemessene Belastung der Füße und kognitive Funktionen. Als Eltern bemerken wir kleinere oder größere Abweichungen bei unseren Kindern oft nicht, daher ist es im Zweifelsfall ratsam, einen Spezialisten zu konsultieren.
Termin telefonisch buchen
Online-Terminbuchung