Physiotherapie für Kinder mit Behinderungen

Physiotherapie für Kinder mit Behinderungen
Autor Marketing BMM | 11. Oktober 2022.
Abnorme Gesundheitszustände können infolge von Entwicklungsstörungen, Unfällen oder anderen Erkrankungen entstehen. In solchen Fällen ist unser Hauptziel, so schnell wie möglich eine vollständige Genesung zu erreichen, den früheren Gesundheitszustand oder einen möglichst nahekommenden Zustand wiederherzustellen und ein höchstmögliches Maß an Selbstständigkeit zu erlangen. Die Therapie muss je nach Ausmaß der Störung oder Schädigung sowie dem aktuellen funktionellen, psychischen und motorischen Status ausgewählt werden, und es müssen kurz- und langfristige Ziele festgelegt werden – genauso wie bei Erwachsenen.
Wie kann Physiotherapie Kindern mit Behinderungen helfen?
Die motorische Entwicklung von Kindern mit Behinderungen kann häufig bereits von frühester Kindheit an von der gesunden Entwicklung abweichen. Oft bleibt sie auf einem für eine frühe Lebensphase typischen Niveau stehen oder schreitet nur minimal voran. Die automatische Steuerung des eigenen Körpers bereitet dem Kind Schwierigkeiten, und angemessene, für das Säuglingsalter typische Bewegungen entwickeln sich nicht oder entwickeln sich pathologisch. Entwicklung ist ein sehr langer Prozess und erfordert sowohl vom Kind als auch von seinem Umfeld viel Zeit und Energie. Um jedoch ein höchstmögliches Maß an Selbstständigkeit zu erreichen, benötigen sie kontinuierliche Förderung. Wichtig ist, die Motivation des Kindes auf einem möglichst hohen Niveau zu halten, da dies eine unverzichtbare Voraussetzung für den Erfolg ist. Anhaltende Motivation und der Wunsch, neue Ziele zu erreichen, treiben den Fortschritt voran. Wesentliche Voraussetzungen dafür sind altersgerechtes Spielen und Unterhaltung sowie das fortlaufende gemeinsame Festlegen kleinerer, leichter erreichbarer Ziele.
Bevor Sie mit der häuslichen Bewegungsförderung beginnen, sollten Sie prüfen, ob Sie diese sicher durchführen können. Wenn Ihnen ausreichendes Wissen und Erfahrung zum anatomischen und pathophysiologischen Hintergrund des motorischen Zustands des Kindes fehlen, könnten Sie kleinere oder auch größere Unfälle verursachen. Daher ist es ratsam, vor Beginn eines Heimübungsprogramms bei einem Physiotherapeuten oder einem anderen Facharzt/ einer anderen Fachkraft Anleitung einzuholen, was zu tun ist und was nicht. Bitten Sie um Beratung und Hilfe zu sicheren und optimalen Körperpositionen sowie zu den richtigen Handhabungstechniken, die zum Bewegen des Kindes erforderlich sind. Außerdem ist es wichtig, bei bewegungsbezogenen Aufgaben vorsichtig und kontinuierlich vorzugehen, da der aktuelle motorische Zustand des Kindes schwanken kann und das, was sich heute leicht dehnen lässt, am nächsten Tag möglicherweise gar nicht möglich ist. Idealerweise führt eine Fachkraft die Therapie durch, und das Heimprogramm findet unter deren Anleitung statt. In diesem Fall zeigt und vermittelt der Therapeut die zu Hause durchzuführenden Teilaufgaben, passive Mobilisation, Massage sowie Methoden zur Veränderung von Körper- und Haltung, die für Alltagsaktivitäten notwendig sind, und hilft außerdem dabei, Pflegetätigkeiten so einfach wie möglich zu gestalten.
Ohne Förderung kann sich die motorische Entwicklung und die Entwicklung des Nervensystems verlangsamen oder sogar zum Stillstand kommen.
Dadurch steigt auch die Wahrscheinlichkeit sekundärer Folgen, wie Muskelkontrakturen, Deformitäten oder pathologische Kompensationen, die sich in der Haltung einzelner Wirbelsäulenabschnitte, des Beckens sowie in der Bewegung von Kopf, Nacken und Zunge zeigen können.

Was ist das Ziel von Physiotherapie-Sitzungen für Kinder mit Behinderungen?
Die wichtigste Aufgabe ist die Verbesserung der Lebensqualität. Dazu gehört grundlegend die Korrektur der Haltung, um eine sichere Ruheposition zu finden und zu schaffen sowie Situationen zu ermöglichen, die die Freude unseres Kindes mit Behinderung am Erleben der Welt steigern können. So kann beispielsweise die Rückenlage bei schwer und mehrfach behinderten Kindern häufig zu einer starken Spannung führen, dem sogenannten Opisthotonus, während eine stabile Seitenlage helfen kann, pathologische Reflexe zu hemmen. Anschließend setzen wir bei den Aufgaben Ziele, die den Alltag erleichtern können.
Häufig können infolge von Verletzungen, die im Säuglingsalter oder sogar im Mutterleib entstanden sind, sensomotorische Störungen auftreten. Das bedeutet, dass neben Einschränkungen der motorischen Funktionen auch sensorische Probleme vorkommen, wie Kommunikationsstörungen, Probleme der Wahrnehmung und sensorischen Verarbeitung sowie Schwierigkeiten beim Sammeln von Erfahrungen. Deren Entwicklung können wir in der Therapie beeinflussen. Durch kontinuierliche somatische Reize (Berührung, Sehen, Hören) entdeckt das Kind seinen Körper und dessen Grenzen und lernt außerdem, eine Verbindung zu seiner Umwelt herzustellen. All dies sind Voraussetzungen für die Entwicklung des Körperschemas und der motorischen Koordination.
Was hilft in Physiotherapie-Sitzungen für Kinder mit Behinderungen?
Während der Förderung bieten wir Kindern verschiedene spannende Spielaktivitäten an, durch die sie ihr unterentwickeltes oder nicht richtig funktionierendes Nervensystem mit eigener aktiver Beteiligung entwickeln können. Wir wenden kein starres Trainingsprogramm an, sondern passen uns dem individuellen Entwicklungsstand und der aktuellen Stimmung jedes Kindes an. Mithilfe vielfältiger und abwechslungsreicher Hilfsmittel bemühen wir uns, für das Kind ein Umfeld zu schaffen, in dem wir auch Kinder, die Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Körperteile zu koordinieren, ein unreifes Nervensystem haben und an Misserfolge gewöhnt sind, zu freudvoller Bewegung motivieren können. Darüber hinaus umfasst die Förderung passive Mobilisation, Massage, manuelle Techniken bei verspannten Muskeln sowie aktive Übungen, die helfen, Arm- und Beinbewegungen zu differenzieren, kontralaterale Gliedmaßenbewegungen zu fördern, Muskeln zu kräftigen oder zu entspannen, korrekte Haltungen zu erlernen und die Koordination zu verbessern.
Zusammenfassend ist unser Ziel, die Lebensqualität sowie den körperlichen und psychischen Zustand (Habilitation, Rehabilitation) verletzter und behinderter Kinder zu verbessern, ihre Familien zu unterstützen und ihre bestmögliche soziale Integration zu fördern.
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