Das Gehen auf den Zehenspitzen bei Kindern – aus Sicht der Kinderorthopädie
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Das Gehen auf den Zehenspitzen bei Kindern – aus Sicht der Kinderorthopädie

Das Gehen auf den Zehenspitzen bei Kindern – aus Sicht der Kinderorthopädie

Autor: Dr. Ákos Morvai | 27.01.2026

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Das Laufen auf den Zehenspitzen, im Volksmund auch „auf den Zehenspitzen laufen“ genannt, kann für viele Eltern Anlass zur Sorge sein. Wenn ein Kind beim Gehen sein Körpergewicht nicht auf die Fersen, sondern vorwiegend auf die Zehen verlagert, stellt sich natürlich die Frage, ob dieses Gangbild Teil der normalen Entwicklung ist oderauf ein Problem der Kinderorthopädie hindeutet. Die Antwort ist nicht in jedem Fall eindeutig, da das Gehen auf den Zehenspitzen eine vorübergehende Entwicklungsbesonderheit sein kann, ab einem bestimmten Alter jedoch auch einen Zustand darstellen kann, der einer Abklärung bedarf.

Was versteht man unter dem Laufen auf Zehenspitzen bei Kindern?

Von „Zehenspitzengehen“ bei Kindern spricht man, wenn das Kind beim Gehen seine Fersen nicht oder nur selten den Boden berührt und sein Körpergewicht hauptsächlich auf den vorderen Teil des Fußes verlagert. Dieses Gangbild ist während der Phase des Lauflernens, insbesondere im Alter von einem bis zwei Jahren, oft ein völlig natürliches Phänomen. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich das Nervensystem, das Gleichgewichtssystem und die Bewegungskoordination noch in der Reifungsphase, weshalb vorübergehend ein „auf Zehenspitzen gehendes“ Gangbild auftreten kann.

Gemäß den Empfehlungen der Kinderorthopädie gilt das anhaltende Gehen auf den Zehenspitzen ab dem dritten Lebensjahr jedoch nicht mehr als reine altersbedingte Besonderheit. Wenn das Kind regelmäßig auf den Zehenspitzen läuft und nicht in der Lage ist, dauerhaft auf den Fersen zu stehen, kann eine fachärztliche Untersuchung gerechtfertigt sein, um zu klären, ob es sich um einen idiopathischen Prozess oder um eine andere zugrunde liegende Anomalie handelt.

Was bedeutet „idiopathisches Gehen auf den Zehenspitzen“?

Von „Zehenspitzengehen“ bei Kindern spricht man, wenn das Kind beim Gehen seine Fersen nicht oder nur selten den Boden berührt und sein Körpergewicht hauptsächlich auf den vorderen Teil des Fußes verlagert. Dieses Gangbild ist während der Phase des Lauflernens, insbesondere im Alter von einem bis zwei Jahren, oft ein völlig natürliches Phänomen. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich das Nervensystem, das Gleichgewichtssystem und die Bewegungskoordination noch in der Reifungsphase, weshalb vorübergehend ein „auf Zehenspitzen gehendes“ Gangbild auftreten kann.

Gemäß den Empfehlungen der Kinderorthopädie gilt das anhaltende Gehen auf den Zehenspitzen ab dem dritten Lebensjahr jedoch nicht mehr als reine altersbedingte Besonderheit. Wenn das Kind regelmäßig auf den Zehenspitzen läuft und nicht in der Lage ist, dauerhaft auf den Fersen zu stehen, kann eine fachärztliche Untersuchung gerechtfertigt sein, um zu klären, ob es sich um einen idiopathischen Prozess oder um eine andere zugrunde liegende Anomalie handelt.

Wie lässt sich das idiopathische Zehenspitzengehen von einem aus anderen Gründen auftretenden Zehenspitzengehen unterscheiden?

Aus Sicht der Kinderorthopädie ist es von grundlegender Bedeutung, festzustellen, ob der Zehenspitzen-Gang idiopathischen Ursprungs ist oder ob eine Störung der Neurologie, der Muskulatur oder der Entwicklung dahintersteckt. Bei bestimmten Erkrankungen treten neben dem Zehenspitzengehen auch andere pathologische Symptome auf, beispielsweise Muskelspannungen, Muskelschwäche, Asymmetrie, pathologische Reflexe oder Entwicklungsauffälligkeiten.

Bei Störungen des Autismus-Spektrums geht das Gehen auf den Zehenspitzen häufig mit Besonderheiten der sensorischen Verarbeitung einher. Bei idiopathischem Gehen auf den Zehenspitzen lassen sich solche Auffälligkeiten der Neurologie oder der Struktur nicht feststellen.

Dr. Ákos Morvai

Dr. Ákos Morvai

Chefarzt für Kinder- und Neuroorthopädie

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Warum kann es zu einem idiopathischen Zehenspitzengehen kommen?

Die genaue Ursache für die Entstehung des idiopathischen Zehenspitzengangs ist derzeit nicht bekannt. Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse ist von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren auszugehen. Häufig lässt sich eine familiäre Häufung beobachten, was auf eine genetische Veranlagung hindeuten könnte. Zudem können bei manchen Kindern die Körperwahrnehmung und die Verarbeitung der Gleichgewichtsreize unterschiedlich sein, was das Gangbild beeinflussen kann.

Feine Abweichungen im Nervensystem, die die Bewegungssteuerung betreffen, können ebenfalls dazu beitragen, dass das Kind beim Gehen instinktiv den vorderen Teil des Fußes bevorzugt. Obwohl einige neuere Forschungsarbeiten auf theoretischer Ebene auch die Rolle anderer Systeme untersuchen, sind diese derzeit nicht Bestandteil der routinemäßigen Diagnostik der Kinderorthopädie.

Kann das Laufen auf den Zehenspitzen bei Kindern später zu Problemen führen?

In den meisten Fällen hat das idiopathische Gehen auf den Zehenspitzen keine schwerwiegenden Folgen. Besteht das Zehenspitzengehen jedoch über viele Jahre hinweg, können auch sekundäre Veränderungen auftreten. Dazu gehören beispielsweise eine fortschreitende Verkürzung der Achillessehne, eine erhöhte Verspannung der Wadenmuskulatur sowie eine Einschränkung des Bewegungsumfangs des Sprunggelenks.

Diese Veränderungen können zu Ermüdung, belastungsbedingten Fußschmerzen und Gangabweichungen führen. Darüber hinaus kann ein abweichendes Gangbild im Schulalter für das Kind auch eine psychische Belastung darstellen, insbesondere wenn es von Gleichaltrigen negative Rückmeldungen erhält.

Wann ist eine Untersuchung der Kinderorthopädie angezeigt?

Eine Untersuchung der Kinderorthopädie wird in allen Fällen empfohlen, in denen das Gehen auf den Zehenspitzen auch nach dem dritten Lebensjahr noch regelmäßig auftritt, sowie in Fällen, in denen das Kind nicht in der Lage ist, dauerhaft auf den Fersen zu stehen. Eine Untersuchung ist ebenfalls angezeigt, wenn Schmerzen, ein Hinken, Asymmetrien oder ein sich verschlechterndes Gangbild zu beobachten sind.

Eine frühzeitige Erkennung bietet die Möglichkeit, bei Bedarf rechtzeitig mit einer angemessenen Nachsorge oder Behandlung zu beginnen und spätere Komplikationen zu vermeiden.

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Wie läuft die Untersuchung in der Kinderorthopädie ab?

Die Diagnose eines idiopathischen Zehenspitzengangs erfolgt stets im Ausschlussverfahren. Im Rahmen der Kinderorthopädie werden eine ausführliche Anamnese und eine gründliche körperliche Untersuchung durchgeführt; bei Bedarf kann auch eine Untersuchung der Neurologie erfolgen. Ziel ist es, festzustellen, ob eine Anomalie vorliegt, die das Gangbild erklären könnte.

Sofern alle anderen möglichen Ursachen ausgeschlossen werden können, kann die Diagnose „idiopathisches Zehenspitzengehen“ gestellt werden.

Behandlungsmöglichkeiten bei idiopathischem Zehenspitzengehen

Die Wahl der Behandlung basiert stets auf einer individuellen Abwägung. Dabei sind das Alter des Kindes, das Gangbild, die Muskelspannung sowie eventuelle Begleiterscheinungen zu berücksichtigen. Häufig kommen Physiotherapie und gezielte Dehnungsübungen zum Einsatz , die dazu beitragen können, den Bewegungsumfang des Sprunggelenks zu erhalten und ein korrektes Gangbild zu entwickeln.

In bestimmten Fällen können auch Orthesen in Betracht kommen, die eine korrekte Haltung des Fußes unterstützen. In schwereren Fällen kann in seltenen Fällen auch eine Gipsversorgung oder ein chirurgischer Eingriff gerechtfertigt sein, diese werden jedoch nur bei Vorliegen einer strengen fachärztlichen Indikation empfohlen.

Die Erfahrung zeigt, dass das Gehen auf den Zehenspitzen bei vielen Kindern mit der Zeit von selbst aufhört, insbesondere bei angemessener Nachsorge und gegebenenfalls gezielter Therapie.

Was können Eltern tun?

Das idiopathische Gehen auf den Zehenspitzen ist kein Erziehungsfehler und bedeutet nicht automatisch eine schwere Erkrankung. Die Beobachtung des Gangbildes Ihres Kindes, regelmäßige Kontrolluntersuchungen und gegebenenfalls die Einholung eines Gutachtens der Kinderorthopädie können ausreichen, um eine sichere und angemessene Betreuung Ihres Kindes zu gewährleisten. Sollten Sie jedoch unsicher sein oder weitere Fragen haben, vereinbaren Sie bitte einen Termin für eine Untersuchung beim Kinderorthopäden!

Diese Informationsbroschüre basiert auf den Ergebnissen mehrerer internationaler Studien, klinischer Übersichtsarbeiten und systematischer Literaturübersichten. Literaturhinweis: Caserta AJ, Pacey V, Fahey M, Gray K, Engelbert RH, Williams CM. Maßnahmen bei idiopathischem Zehenspitzenlaufen. Cochrane Database Syst Rev. 6. Oktober 2019;10(10):CD012363. doi: 10.1002/14651858.CD012363.pub2. PMID: 31587271; PMCID: PMC6778693. Bauer JP, Sienko S, Davids JR. Idiopathisches Zehenlaufen: Ein Update zu Verlauf, Diagnose und Behandlung. J Am Acad Orthop Surg. 15. November 2022;30(22):e1419–e1430. doi: 10.5435/JAAOS-D-22-00419. Epub 7. September 2022. PMID: 36084329. Donne J, Farrell MJ, Kolic J, Powell J, Fahey M, Williams C. Reaktionen bei der Zweipunktdiskrimination bei Kindern mit idiopathischem Zehenspitzenlaufen: Eine fMRT-Machbarkeitsstudie. Sci Prog. Okt.–Dez. 2022;105(4):368504221132141. doi: 10.1177/00368504221132141. PMID: 36373762; PMCID: PMC10306138. de Angeli LRA, Serafim BLC, Masquijo JJ. Das autistische Zehenlaufen: Eine narrative Übersicht über Interventionen und ein Vergleich mit dem idiopathischen Zehenlaufen. Children (Basel). 8. September 2025; 12(9):1198. doi: 10.3390/children12091198. PMID: 41007062; PMCID: PMC12468364. Pomarino D, Emelina A, Heidrich J, Rostásy K, Schirmer S, Schönfeldt JO, Thren A, Wagner F, Thren JR, Berger N. Entwicklung eines NGS-Panels zur Differentialdiagnose des idiopathischen Zehengehens und dessen Anwendung bei der Untersuchung möglicher genetischer Ursachen für diese Gangstörung. Glob Med Genet. 21. April 2023;10(2):63–71. doi: 10.1055/s-0043-57230. PMID: 37091313; PMCID: PMC10121371. Shirel T, Sylvanus T, Cho K, Authement A, Krach LE. Wirksamkeit von Protokollen zur seriellen Gipsversorgung bei idiopathischem Zehengehen. J Pediatr Rehabil Med. 2024;17(2):179–184. doi: 10.3233/PRM-230041. PMID: 38669491; PMCID: PMC11307011. Berger N, Bauer M, Hapfelmeier A, Salzmann M, Prodinger PM. Orthesenbehandlung des idiopathischen Zehenlaufs mit einer Unterschenkelorthese mit zirkulärer subtalarer Blockade. BMC Musculoskelet Disord. 7. Juni 2021;22(1):520. doi: 10.1186/s12891-021-04327-0. PMID: 34098918; PMCID: PMC8183056. Brasiliano P, Alvini M, Di Stanislao E, Vannozzi G, Di Rosa G, Camomilla V. Auswirkungen des Tragens einer Fußorthese auf die Sprunggelenkfunktion bei Kindern mit idiopathischem Zehengehen während des Gehens. Heliyon. 12. Oktober 2022; 8(10):e11021. doi: 10.1016/j.heliyon.2022.e11021. Erratum in: Heliyon. 8. Mai 2023; 9(5):e16022. doi: 10.1016/j.heliyon.2023.e16022. PMID: 36281373; PMCID: PMC9587270. Kononova S, Kashparov M, Xue W, Bobkova N, Leonov S, Zagorodny N. Dysbiose des Darmmikrobioms als potenzieller Risikofaktor für idiopathisches Zehenlaufen bei Kindern: Eine Übersichtsarbeit. Int J Mol Sci. 25. August 2023; 24(17):13204. doi: 10.3390/ijms241713204. PMID: 37686011; PMCID: PMC10488280.

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